Handel und Transport von Kakao
Zwischen einer Kakaofarm in Westafrika und einer Schokoladenfabrik in Europa liegen oft mehrere tausend Kilometer und viele Zwischenstationen. Wer diesen Weg kennt, versteht besser, warum Kakaopreise schwanken und warum Rückverfolgbarkeit so schwierig ist.
Die Kette im Überblick
- Bauernfamilie: erntet, fermentiert und trocknet die Bohnen
- Aufkäufer oder Kooperative: sammelt kleine Mengen vieler Betriebe
- Exporteur: prüft, lagert und verschifft die Ware
- Reederei: transportiert per Container oder als Schüttgut
- Importhafen und Lagerhaus: Umschlag und Lagerung in Europa
- Mahlwerk (Grinder): macht aus Bohnen Kakaomasse, Kakaobutter und Kakaopulver
- Hersteller: produziert Kuvertüre, Schokolade und Süßwaren
Viele große Unternehmen decken mehrere Stufen gleichzeitig ab, vom Aufkauf im Ursprungsland bis zur fertigen Kuvertüre.
Staatliche Vermarktung in Westafrika
In den beiden größten Anbauländern ist der Handel stark reguliert. In Ghana vermarktet die staatliche Behörde COCOBOD den Kakao, in der Elfenbeinküste der Conseil du Café-Cacao. Beide verkaufen große Teile der Ernte im Voraus und legen für jede Saison einen Mindestpreis ab Hof (Farmgate-Preis) fest. Seit der Saison 2020/21 kommt ein Aufschlag für ein existenzsicherndes Einkommen hinzu, das Living Income Differential von 400 US-Dollar je Tonne.
Das schützt die Bauern vor kurzfristigen Preisstürzen, bedeutet aber auch: Steigen die Weltmarktpreise stark, kommt das bei ihnen nur verzögert an.
In vielen anderen Ländern, etwa in Lateinamerika, ist der Handel liberalisiert. Dort verhandeln Kooperativen und Händler freier.
Verschiffung
Kakaobohnen reisen auf zwei Arten:
- In Säcken: Jutesäcke mit rund 60 bis 65 kg werden in Container gestapelt. Das erlaubt eine gute Trennung einzelner Partien, etwa für zertifizierten oder Edelkakao.
- Als Schüttgut (Bulk): Lose Bohnen werden in ausgekleidete Container oder in Schiffsräume geladen. Das ist günstiger und bei großen Mengen verbreitet.
Die größte Gefahr unterwegs ist Feuchtigkeit. Beim Weg aus den Tropen in kühlere Regionen bildet sich Kondenswasser („Container-Regen“), das zu Schimmel führen kann. Deshalb werden Bohnen gut getrocknet verladen, Container belüftet und oft mit Papier oder Vlies ausgelegt. Kakao nimmt außerdem leicht Fremdgerüche an und darf nicht neben stark riechenden Waren lagern.
Häfen und Lagerung in Europa
Wichtige europäische Umschlagplätze für Kakao sind Amsterdam, Antwerpen und Hamburg. In spezialisierten Lagerhäusern werden die Bohnen bei kontrollierter Temperatur und Luftfeuchte gelagert, auf Schädlinge überwacht und vor der Weitergabe erneut geprüft. Einige Lagerhäuser sind für die Börse zugelassen: Dort liegt Kakao, der über Terminkontrakte gehandelt wird.
Nicht immer reisen Bohnen. Häufig werden Halbfabrikate transportiert, etwa Kakaobutter oder flüssige Kuvertüre in beheizten Tankwagen, direkt vom Mahlwerk zum Schokoladenhersteller.
Kakao an der Börse
Kakao wird als Terminkontrakt (Future) an zwei Börsen gehandelt: an der ICE Futures Europe in London (Preis in Pfund Sterling je Tonne) und an der ICE Futures U.S. in New York (Preis in US-Dollar je Tonne). Ein Kontrakt umfasst jeweils zehn Tonnen.
Hersteller und Händler sichern dort ihren Bedarf oft viele Monate im Voraus ab. Neben ihnen handeln auch Finanzinvestoren, was Preisbewegungen verstärken kann. Die Absicherung erklärt, warum sich Preisänderungen am Weltmarkt erst mit Verzögerung im Supermarkt zeigen. Mehr dazu unter Kakaopreis.
Rückverfolgbarkeit
Weil Kakao von Millionen Kleinbetrieben stammt und unterwegs oft gemischt wird, ist es schwer nachzuweisen, von welcher Farm eine Bohne kommt. Die EU-Entwaldungsverordnung verlangt künftig genau das, einschließlich Geodaten der Anbauflächen. Mehr unter Verantwortung in der Lieferkette.
Eine typische Route für westafrikanischen Konsumkakao führt von Abidjan oder Tema nach Amsterdam oder Hamburg und von dort in ein Mahlwerk. Wie aus der angekommenen Bohne Schokolade wird, steht unter Schokoladenherstellung.
Quellen
Häufige Fragen
Wie lange ist Kakao unterwegs?
Von Westafrika nach Europa typischerweise einige Wochen, hinzu kommen Lager- und Wartezeiten.
Wo landet Kakao in Deutschland?
Vor allem über Hamburg und über die Häfen in Amsterdam und Antwerpen.
Warum handeln Investoren mit Kakao?
Terminkontrakte sind handelbare Finanzprodukte. Neben der Absicherung für Hersteller nutzen Anleger sie zur Spekulation.