Der Kakaopreis und die Folgen für Schokolade
Über Jahrzehnte war Kakao ein vergleichsweise günstiger Rohstoff. Das änderte sich 2023 und 2024 drastisch: Innerhalb kurzer Zeit vervielfachte sich der Weltmarktpreis und erreichte Rekordwerte. Verbraucher merkten das an steigenden Preisen, kleineren Tafeln und veränderten Rezepturen.
Stand: September 2026. Die Zahlen in diesem Artikel beziehen sich auf den Weltmarktpreis für Kakaobohnen; der Ladenpreis folgt verzögert.
Was passiert ist
Jahrelang lag der Kakaopreis grob zwischen 2.000 und 3.000 US-Dollar je Tonne. Ab 2023 stieg er stark an und erreichte 2024 zeitweise mehr als 12.000 US-Dollar je Tonne. Seitdem ist der Preis wieder deutlich gefallen. Im Jahr 2026 liegt er weit unter dem Rekord, aber schwankt weiterhin stark.
Die Ursachen
- Missernten in Westafrika: Ungewöhnliche Trockenheit, dann Starkregen und das Wetterphänomen El Niño verringerten die Ernten in der Elfenbeinküste und in Ghana deutlich.
- Pflanzenkrankheiten: Das Swollen-Shoot-Virus und Pilzkrankheiten zerstörten Bestände.
- Überalterte Plantagen: Viele Bäume tragen kaum noch. Jahrelang niedrige Preise ließen wenig Geld für Neupflanzungen.
- Illegaler Bergbau und Landnutzung: In Ghana verdrängte Goldabbau Anbauflächen.
- Marktkonzentration: Weil rund zwei Drittel der Ernte aus einer Region stammen, wirken regionale Probleme sofort weltweit.
- Finanzmärkte: Spekulation und fehlende Liquidität an den Börsen verstärkten die Ausschläge.
Mehrere Saisons mit mehr Verbrauch als Ernte leerten die Lager. Knappheit trifft dann auf feste Nachfrage, und der Preis steigt überproportional.
Warum der Ladenpreis verzögert reagiert
Schokoladenhersteller kaufen Kakao in der Regel viele Monate im Voraus ein und sichern Preise an der Börse ab. Steigt der Weltmarktpreis, erreicht das die Regale erst später. Fällt er, sinken die Ladenpreise ebenfalls nur verzögert, zumal auch Energie, Zucker, Milch, Verpackung und Löhne teurer geworden sind. Kakao ist nur ein Teil der Kosten einer Tafel.
Folgen für Produkte
- Höhere Preise für Tafeln, Pralinen und Saisonware
- Kleinere Packungen bei gleichem Preis („Shrinkflation“), was Verbraucherzentralen als Mogelpackung kritisieren
- Geänderte Rezepturen mit weniger Kakao oder mehr Füllungen, Keksen und Nüssen
- Andere Bezeichnungen: Unterschreitet ein Produkt die Mindestwerte der Kakaoverordnung, darf es nicht mehr „Schokolade“ heißen und wird etwa als „Riegel“ oder „mit Kakao“ vermarktet
- Kakaoersatz: Einige Unternehmen entwickeln Alternativen aus anderen Rohstoffen
Woran man weniger Kakao erkennt, steht auf der Packung: an der Prozentangabe „Kakao: … % mindestens“ und an der Verkehrsbezeichnung, siehe Kennzeichnung.
Was bei den Bauern ankommt
In Ghana und der Elfenbeinküste legt der Staat den Preis ab Hof fest. Die Regierungen erhöhten ihn während der Hochpreisphase, aber deutlich weniger stark als den Weltmarktpreis. Teilweise lohnte sich deshalb der Schmuggel in Nachbarländer. In liberalisierten Märkten wie Ecuador profitierten Bauern schneller. Mehr zu Einkommen unter Verantwortung in der Lieferkette.
Quellen
Häufige Fragen
Wird Schokolade wieder billiger?
Das hängt von den Ernten der nächsten Jahre, den Kosten für andere Zutaten und der Preispolitik der Hersteller ab. Eine verlässliche Prognose gibt es nicht.
Warum ist dunkle Schokolade stärker betroffen?
Sie enthält mehr Kakao, der Rohstoffanteil an den Kosten ist höher.
Woran erkenne ich weniger Kakao?
An der Prozentangabe „Kakao: … % mindestens“ und an der Bezeichnung auf der Packung.