Schadstoffe in Schokolade – was dahintersteckt

Wirkung

Schadstoffe in Schokolade – was dahintersteckt

Tests von Verbraucherorganisationen finden in Schokolade immer wieder unerwünschte Stoffe. Das klingt alarmierend, doch für die Einordnung kommt es auf Menge, Grenzwerte und Verzehrgewohnheiten an.

Geröstete Kakaobohnen in Nahaufnahme
Cadmium stammt aus dem Boden, nicht aus der Rezeptur. Dunkle Schokolade enthält deshalb tendenziell mehr davon als Milchschokolade.

Cadmium

Was es ist: Cadmium ist ein Schwermetall, das natürlicherweise in Böden vorkommt und von Pflanzen aufgenommen wird. Kakao aus manchen Regionen, vor allem aus Teilen Lateinamerikas mit vulkanischen Böden, enthält mehr davon als Kakao aus Westafrika.

Warum es problematisch ist: Cadmium reichert sich im Körper an, vor allem in den Nieren, und kann sie bei dauerhaft hoher Aufnahme schädigen.

Grenzwerte: Die EU hat in der Verordnung (EU) 2023/915 Höchstgehalte festgelegt, gestaffelt nach Kakaoanteil:

ProduktHöchstgehalt Cadmium
Milchschokolade mit weniger als 30 % Kakaotrockenmasse0,10 mg/kg
Schokolade mit weniger als 50 % Kakaotrockenmasse; Milchschokolade mit mind. 30 %0,30 mg/kg
Schokolade mit mindestens 50 % Kakaotrockenmasse0,80 mg/kg
Kakaopulver für Endverbraucher0,60 mg/kg

Einordnung: Dunkle Schokolade enthält tendenziell mehr Cadmium als Milchschokolade. Wer sie in üblichen Mengen und im Rahmen einer abwechslungsreichen Ernährung isst, muss sich nach Einschätzung der Behörden keine Sorgen machen. Hauptquellen für Cadmium sind ohnehin Grundnahrungsmittel wie Getreide und Gemüse. Kinder, die viel Kakaogetränke und dunkle Schokolade konsumieren, sind stärker betroffen.

Blei

Auch Blei kann in Kakao vorkommen, vor allem durch Staub und Erde, die sich bei der Fermentation und Trocknung auf der Bohnenschale ablagern. Für Schokolade gibt es in der EU keinen eigenen Höchstgehalt. Die Hersteller versuchen, die Belastung durch saubere Aufbereitung und gründliches Entschalen zu senken.

Mineralölrückstände (MOSH/MOAH)

Was es ist: Mineralölkohlenwasserstoffe können über Maschinenöle, Abgase oder Jutesäcke, die mit Mineralöl behandelt wurden, sowie über Recyclingkarton in Lebensmittel gelangen.

  • MOSH (gesättigte Kohlenwasserstoffe) reichern sich im Körpergewebe an.
  • MOAH (aromatische Kohlenwasserstoffe) stehen im Verdacht, teils krebserregend zu sein.

Regelungen: Die EU-Mitgliedstaaten haben sich 2022 auf Werte verständigt, ab denen Lebensmittel mit MOAH vom Markt genommen werden sollen. Im Mai 2026 stimmte der Ständige Ausschuss (SCoPAFF) einem Entwurf zu, der erstmals verbindliche Höchstgehalte in der Verordnung (EU) 2023/915 vorsieht; die Anwendung ist für 2027 geplant. Bis zur Veröffentlichung im Amtsblatt bleibt der gemeinsame Ansatz der Mitgliedstaaten maßgeblich.

Hinweis: Verbrauchertests finden MOAH vereinzelt in Schokolade und Adventskalendern. Hersteller haben die Belastung in den letzten Jahren vielfach reduziert, etwa durch Jutesäcke mit Pflanzenöl-Behandlung und Barrieren in Verpackungen. Ein einzelnes Testergebnis gilt für die geprüfte Charge und das Testdatum, nicht für eine Marke auf Dauer.

Weitere Stoffe

  • Acrylamid: Entsteht beim Rösten, bei Kakao in geringen Mengen. Die EU verlangt Minimierungsmaßnahmen (VO (EU) 2017/2158), Kakao ist kein Hauptverursacher.
  • Pestizidrückstände: Sie werden durch Rückstandshöchstgehalte begrenzt. Bio-Schokolade ist hier im Vorteil.
  • Mykotoxine (Ochratoxin A): Sie können bei schlechter Trocknung entstehen und werden kontrolliert.

Was du tun kannst

  • Abwechseln: nicht immer dieselbe Sorte und Herkunft
  • Maß halten: gerade bei dunkler Schokolade und Kakaopulver für Kinder
  • Testergebnisse lesen: aber auf das Testdatum achten, denn Rezepturen und Lieferketten ändern sich
  • Bei Bedenken: Hersteller direkt nach Prüfberichten fragen

Theobromin und Koffein sind keine Schadstoffe im engeren Sinn, aber relevant für Menge und Abendverzehr: Koffein in Schokolade. Dieser Text ist keine medizinische Beratung.

Quellen

  1. Verordnung (EU) 2023/915 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten
  2. BfR: Cadmium in Lebensmitteln
  3. EFSA: Cadmium in food
  4. Verordnung (EU) 2017/2158 (Acrylamid)
  5. BfR: Mineralölkohlenwasserstoffe in Lebensmitteln

Häufige Fragen

Ist dunkle Schokolade wegen Cadmium ungesund?

In üblichen Mengen nein. Die EU-Höchstgehalte berücksichtigen den höheren Kakaoanteil.

Sind Bio-Produkte frei von Schwermetallen?

Nein. Schwermetalle stammen aus dem Boden, nicht aus Pflanzenschutzmitteln.

Dürfen Kinder Kakao trinken?

Ja, in Maßen. Bei großen Mengen ist die Cadmium-Aufnahme bei Kindern höher als bei Erwachsenen.