Die Verpackung lesen – Kennzeichnung von Schokolade

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Die Verpackung lesen – Kennzeichnung von Schokolade

Die Rückseite einer Schokoladentafel verrät mehr als die Vorderseite. Wer weiß, worauf er achten muss, erkennt Qualität, versteckte Zutaten und Allergene auf einen Blick.

Die Pflichtangaben

Für alle vorverpackten Lebensmittel schreibt die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV), Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, in Art. 9 unter anderem vor:

  1. Bezeichnung des Lebensmittels, bei Schokolade die rechtlich festgelegte Bezeichnung, etwa „Milchschokolade“ oder „Zartbitterschokolade“
  2. Zutatenverzeichnis
  3. Allergene, im Zutatenverzeichnis hervorgehoben
  4. Mengenangabe bestimmter Zutaten (QUID), wenn sie in der Bezeichnung oder auf der Packung hervorgehoben sind, zum Beispiel „mit 20 % Haselnüssen“
  5. Nettofüllmenge
  6. Mindesthaltbarkeitsdatum
  7. besondere Aufbewahrungshinweise, falls nötig
  8. Name und Anschrift des verantwortlichen Unternehmens
  9. Nährwertdeklaration

Speziell für Schokolade kommen die Vorgaben der Kakaoverordnung hinzu, vor allem die Angabe „Kakao: … % mindestens“.

Die Zutatenliste lesen

Die Zutaten stehen in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils. Die erste Zutat ist also die mengenmäßig größte.

Beispiel dunkle Schokolade (70 %):

Kakaomasse, Zucker, Kakaobutter, Emulgator: Sojalecithine, natürliches Vanillearoma. Kakao: 70 % mindestens.

Beispiel Milchschokolade:

Zucker, Kakaobutter, Vollmilchpulver, Kakaomasse, Süßmolkenpulver, Emulgator: Lecithine (Soja), Aroma. Kakao: 30 % mindestens.

Steht Zucker an erster Stelle, ist er die Hauptzutat. Bei Milchschokolade ist das die Regel, bei dunkler Schokolade ein Hinweis auf niedrigen Kakaoanteil.

Worauf du achten kannst

  • Kakaobutter oder andere Pflanzenfette? Die Kakaoverordnung erlaubt bis zu 5 % bestimmter anderer Pflanzenfette, etwa Shea oder Palmöl, zusätzlich zur Kakaobutter. Dann muss die Packung deutlich darauf hinweisen: „enthält neben Kakaobutter auch andere pflanzliche Fette“.
  • Vanille, Vanilleextrakt, Aroma oder Vanillin? „Natürliches Vanillearoma“ muss überwiegend aus Vanille stammen. „Aroma“ allein kann auch aus anderen Quellen stammen.
  • Emulgator: Lecithin (meist aus Soja oder Sonnenblumen) macht die Masse fließfähiger. Hochwertige Tafeln kommen teils ohne aus.
  • Milchbestandteile: Vollmilchpulver, Magermilchpulver, Süßmolkenpulver, Butterreinfett. Molkenpulver ist günstiger als Milchpulver.
  • Füllungen: Hier stecken häufig Palmöl, Glukosesirup und Aromen.

Was die Prozentzahl bedeutet, steht unter Kakaoanteil.

„Kann Spuren enthalten“

Der Hinweis „Kann Spuren von Nüssen/Milch enthalten“ ist eine freiwillige Angabe (Art. 36 LMIV). Er warnt vor unbeabsichtigten Verunreinigungen, etwa weil auf derselben Anlage auch Nussschokolade hergestellt wird. Für Allergiker ist er wichtig. Die Zutat ist aber nicht Teil der Rezeptur. Mehr dazu unter Allergien und Unverträglichkeiten.

Zuckerreduzierte Produkte

Enthält ein Produkt mehr als 10 % zugesetzte mehrwertige Alkohole (Polyole) wie Maltit oder Erythrit, muss der Hinweis „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ auf der Packung stehen (LMIV, Anhang III).

Bezeichnungen, die Schokolade nicht sind

Produkte, die die Mindestwerte der Kakaoverordnung nicht erreichen, dürfen nicht „Schokolade“ heißen. Achte auf Formulierungen wie:

  • „Fettglasur“, „Kuchenglasur“, „mit Kakao“, „kakaohaltige Fettglasur“
  • „Riegel“ oder „Kakaocreme“ ohne das Wort Schokolade

Das ist nicht unbedingt schlechter, aber es ist etwas anderes.

Herkunftsangaben

Eine Pflicht zur Angabe des Kakao-Herkunftslands besteht nicht. Angaben wie „Single Origin Ecuador“ sind freiwillig und dürfen nicht irreführen.

Das MHD ist kein Verfallsdatum. Wie lange Tafeln und Pralinen halten, erklärt Lagerung und Haltbarkeit.

Quellen

  1. Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (LMIV)
  2. Kakaoverordnung (KakaoV)
  3. Richtlinie 2000/36/EG über Kakao- und Schokoladeerzeugnisse
  4. Lebensmittelklarheit.de
  5. BZfE: Lebensmittelkennzeichnung

Häufige Fragen

Warum steht bei weißer Schokolade kein Kakaoanteil?

Weil die Angabe „Kakao: … % mindestens“ nach der Kakaoverordnung nur für bestimmte Erzeugnisse vorgeschrieben ist. Viele Hersteller nennen dennoch den Kakaobutteranteil.

Ist „Lecithine (Soja)“ ein Allergen?

Soja ist ein Hauptallergen und wird daher hervorgehoben, auch wenn Lecithin nur geringe Mengen Sojaeiweiß enthält.

Wie finde ich Palmöl in Schokolade?

In der Zutatenliste steht es als „Palmöl“ oder „Palmfett“, bei reiner Tafelschokolade nur im Rahmen der 5-%-Regel.