Schokolade richtig verkosten
Wer Schokolade bewusst verkostet, entdeckt eine erstaunliche Vielfalt: Von Beeren über Nüsse bis zu Tabak und Blüten reicht das Aromenspektrum. Profis gehen dabei nach festen Schritten vor, und das lässt sich zu Hause nachmachen.
Vorbereitung
- Temperatur: Die Schokolade sollte Raumtemperatur haben, etwa 18 bis 22 °C. Kalte Schokolade gibt kaum Aroma ab.
- Neutraler Gaumen: Vorher nicht rauchen, keinen Kaffee trinken, kein stark gewürztes Essen.
- Zum Neutralisieren: stilles Wasser und ungesalzene Cracker oder Weißbrot.
- Reihenfolge: von mild zu kräftig, also von hellen zu dunklen Sorten, von niedrigem zu hohem Kakaoanteil.
- Menge: Nicht mehr als fünf bis sechs Sorten auf einmal.
Schritt 1: Ansehen
Betrachte Oberfläche und Farbe:
- Glanz: Eine gut temperierte Schokolade glänzt gleichmäßig.
- Farbe: Sie reicht von hellem Rotbraun bis fast Schwarz und sagt wenig über den Kakaoanteil. Sorte und Alkalisierung spielen eine Rolle.
- Fehler: Graue Schlieren deuten auf Fettreif hin, Bläschen und Flecken auf Verarbeitungsfehler.
Schritt 2: Brechen
Brich ein Stück ab und hör hin:
- Dunkle Schokolade bricht mit einem klaren, hellen Knacken.
- Milchschokolade bricht weicher.
- Die Bruchkante sollte glatt und nicht bröselig sein.
Ein sauberer Bruch zeigt gute Temperierung.
Schritt 3: Riechen
Halte das Stück an die Nase, reibe es kurz zwischen den Fingern und rieche erneut. Die Wärme setzt Aromen frei. Typische Noten sind:
- fruchtig: rote Beeren, Zitrus, Trockenobst
- nussig: Haselnuss, Mandel
- blumig: Jasmin, Orangenblüte
- würzig: Vanille, Zimt, Pfeffer
- röstig: Kaffee, Tabak, Holz
- süß: Karamell, Honig
Fehlaromen sind zum Beispiel muffig, rauchig, schinkig oder seifig.
Schritt 4: Schmelzen lassen
Lege ein kleines Stück auf die Zunge und kaue nicht. Drücke es gegen den Gaumen und lass es langsam schmelzen. Achte auf das Mundgefühl:
- glatt oder sandig? Das hängt davon ab, wie fein die Masse gewalzt wurde.
- cremig oder wachsig?
- schnell oder langsam schmelzend?
Schritt 5: Schmecken
Während die Schokolade schmilzt, entwickelt sich der Geschmack in Phasen:
- Antrunk: der erste Eindruck, oft süß
- Mitte: die Hauptaromen, bei Single-Origin-Tafeln hier am deutlichsten
- Balance: das Verhältnis von Süße, Säure, Bitterkeit und Adstringenz
Dabei leicht durch die Nase ausatmen: Viele Aromen nimmt man über den Rachen wahr.
Schritt 6: Nachklang
Achte darauf, was bleibt, nachdem die Schokolade geschmolzen ist:
- Länge: Hochwertige Schokolade klingt oft minutenlang nach.
- Charakter: Bleibt ein angenehmer Eindruck oder eine unangenehme Bitterkeit, Säure oder Trockenheit?
Ein Tasting zu Hause
Ideen für einen Abend mit Freunden:
- Herkunftsvergleich: drei 70-Prozent-Tafeln aus Ecuador, Madagaskar und Ghana
- Prozentreihe: 50, 70, 85 und 100 % vom gleichen Hersteller
- Sortenvergleich: weiß, Ruby, Milch, dunkel
- Blindverkostung: Supermarkt gegen Manufaktur
Ein einfacher Verkostungsbogen mit den sechs Schritten und einer Skala von 1 bis 5 hilft beim Vergleichen. Die Druckvorlage lässt sich im Browser als PDF speichern.
| Sorte / Herkunft | Ansehen | Bruch | Duft | Schmelz | Aroma | Nachklang | Note 1–5 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
Passende Getränke
- Wasser zum Neutralisieren
- Kaffee oder Tee passen gut zu dunkler Schokolade
- Wein: Süß- und Dessertweine, etwa Portwein, harmonieren meist besser als trockene Rotweine
- Whisky oder Rum passen zu kräftigen, dunklen Sorten
Fachbegriffe wie Adstringenz, Schmelz oder Single Origin stehen im Glossar.
Quellen
Häufige Fragen
Warum soll man Schokolade nicht kauen?
Beim Schmelzen werden die Aromen langsamer und vollständiger freigesetzt.
Wie viel Schokolade braucht man pro Person?
Für ein Tasting reichen etwa 5 bis 10 g pro Sorte.
Kann man die Verkostung erlernen?
Ja. Übung schärft die Wahrnehmung. Aromaräder helfen beim Benennen.